Gedanken zum Video Sturm vor Camerota

Es begann alles so schön in Cetraro: Bis Mitternacht lag ich im Fischerhafen und durfte dort meine Batterien aufladen. Eine sehr freundliche Geste eines Fischers und des Hafenmeisters, denn der eigentliche Yachthafen war überfüllt und der neu errichtete noch nicht fertig. Um Mitternacht gab es ein Feuerwerk, und spätestens zu diesem Zeitpunkt war ich froh, nicht im Yachthafen zu liegen. Dort gingen die Leuchtkugeln nieder wie Napalm in Vietnam. Einige Biminis waren danach löchrig wie ein Nudelsieb und die Höschen der feinen Gesellschaft einigermaßen verfärbt.

​Wie auch immer – nach dem Feuerwerk habe ich mich am Rande des neuen Hafens vertäut und eine ruhige Nacht verbracht. Zeitig in der Früh startete ich bei besten Segelbedingungen in Richtung Camerota. Es ging um das Capo Bonifacio und bei leichtem Wind weiter auf NW-Kurs. Der Wind war zuerst leicht, dann moderat, doch fünf Seemeilen vor Camerota blies mir ein ausgewachsener Sturm entgegen. War bisher alles einfach, musste ich jetzt die Segel bergen und das Schiff sturmfest machen. Das bedeutete, die Segel einzuholen und unter Deck zu bringen, um den Luftwiderstand zu verringern – eine der wichtigsten Maßnahmen in solch einer Situation, weil jetzt alles extrem viel Kraft kostet: die Wellen, der Gegenwind und die Gischt.

​Die Leistung habe ich von vormals 500 Watt auf 3000 Watt erhöht, was genau 50 % der möglichen Motorleistung entspricht. So konnte ich die Geschwindigkeit auf 2,5 bis 3 Knoten halten. Wer jetzt sagt: „Was, nur 2,5 Knoten?“, der sollte sich das Video ansehen und selbst urteilen, ob es angebracht gewesen wäre, schneller zu fahren.

​In diesem Moment begann ich zu rechnen: Ich war bis dahin 34 Seemeilen unterwegs mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch von einer Kilowattstunde pro Stunde, hatte also etwa 6 kWh verbraucht. Meine Batterie hat annähernd 13 kWh, somit blieben mir theoretisch noch 7 kWh Kapazität. Ich fuhr nun mit 2,5 bis maximal 3 Knoten und hatte noch 5 Seemeilen vor mir. Das bedeutete zwei Stunden Fahrt bis zum Ziel bei 3 kW Leistung – also 6 kWh Verbrauch bis zur Hafeneinfahrt. Bei so wenig Reserve ist es beruhigend, eine zweite Backup-Batterie mit 5 kWh an Bord zu haben, da sonst schnell die Nerven blank liegen. Eine Backup-Batterie kann also nie ein Fehler sein!

​Für alle, die jetzt sagen: „Dann sitze ich den Sturm halt aus und warte, bis alles vorbei ist“ – ja, gute Idee, wenn die Mannschaft und die eigene physische Verfassung das mitmachen! Und noch etwas: Wenn in so einer Situation ein Seil in die Schraube gerät – was durchaus vorkommen kann –, ist es gut, einen zweiten Motor zur Verfügung zu haben, den man im schlimmsten aller Fälle von 50 % auf 100 % hochfahren kann. Das Zauberwort heißt Reserve oder auf Neudeutsch: Backup.

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