Alles zum Thema Elektroantrieb und Umbau

Es gibt kaum ein Thema in der Seglergemeinschaft, das kontroverser diskutiert wird als das Thema Antrieb – und da nimmt speziell der Elektroantrieb eine ganz besondere Stellung ein. Kraft, Reichweite, Sicherheit, Kosten und Wartung sind die Hauptthemen. Dabei werden die meisten „Fakten“ aus dem Bauch heraus argumentiert. Aus diesem Grund gebe ich meine Erfahrungen mit meinem Elektroantrieb auf der POLINA gerne weiter.

​Mein dänisches Entchen, ein 23 Fuß langer Motorsegler vom Typ LM 23 (Baujahr 1975), war bis 2019 mit einem 15 PS starken Bukh-Einzylinder-Dieselmotor ausgerüstet, und ich muss sagen: Die Leistung des Motors war absolut ausgewogen. Aufgrund technischer Probleme an der Einspritzdüse wäre jedoch eine kostspielige Reparatur in der Größenordnung von mindestens 3.000 Euro angestanden. Ein neuer Vetus-Motor mit 20 PS wurde mir für 11.000 Euro samt Umbau angeboten, woraufhin ich mich selbst nach einer Elektromotor-Lösung umgesehen habe.

Das war die Ausgangssituation:

​Der 15-PS-Bukh-Dieselmotor – zu sehen sind die Einspritzdüse und die defekte Zuleitung.

Unter diesem Tisch verbarg sich der Bukh-Dieselmotor.

Der Motorraum nach der Demontage des Bukh-Dieselmotors – deutlich zu sehen sind die Kraftstoffrückstände in der Wanne.

Als Lösungsvarianten kamen in Frage:

  1. Bukh-Diesel demontieren und durch einen Elektro-Einbaumotor ersetzen; Batteriebank in den Backskisten unterbringen
  2. Elektro-Außenbordmotor an einer zusätzlichen Motorhalterung am Heck montieren; Akkus im ehemaligen Motorraum unter dem Kajütboden platzieren
  3. Pod-Drive unter dem Rumpf montieren und die Batteriebank im tiefen Schwerpunkt unter dem Kajütboden verbauen

Lösungsvariante 1:

​Das wäre unkompliziert gewesen; allerdings war der Elektromotor fast genauso groß wie der Diesel, und ich hätte vom Platz im Innenraum nichts gewonnen. Auch hatte diese Lösung einen gravierenden Haken: Niemand konnte mir sagen, welches Untersetzungsverhältnis ich brauche, um den Motor optimal laufen zu lassen. Zudem hätte ich die Übertragungsverluste zwischen Schraube und Motor hinnehmen müssen – und eine neue Schraube hätte ich auch gebraucht, noch einmal 1.000 Euro.

​Deutlich sind die Brandspuren an der Schraube zu sehen, welche durch Kavitation entstanden sind.

Lösungsvariante 2:

​Der Außenborder – eine fast perfekte Lösung! Ich bräuchte dazu nur einen Heckspiegel, der ist aber bei Spitzgattern nicht vorgesehen. Für alle, die über eine genügend starke Motoraufhängung verfügen, sei gesagt: Diese Montage bietet viele Vorteile im Betrieb. So ist der Motor steuerbar, hochklappbar und im Servicefall leicht zu demontieren. Der Nachteil besteht darin, dass der Motor sehr nahe am Wasser ist – bei hohen Heckwellen besteht die Gefahr des Flutens.

​Abbildung einer Variante der Heckspiegelmontage am Spitzgatter – diese Methode hat sich jedoch nicht bewährt.

Lösungsvariante 3.

​Der Pod-Drive von ePropulsion – diese Montageart bietet viele Vorteile. Fangen wir beim Platz an: Der Motor hängt wie eine Glocke unten am Rumpf und braucht daher im Inneren keinen Platz. Da der Motor im Wasser liegt, benötigt er keine Kühlung; zudem entwickelt er eigenen Auftrieb, wodurch sich sein Gewicht im Wasser praktisch auf null reduziert. Nachteilig sind der höhere Wasserwiderstand und die Tatsache, dass im Schadensfall das ganze Schiff aus dem Wasser gehoben werden muss.

​Bei einigen Rumpfformen ist der Einbau aufgrund der Position am Rumpf problematisch. So kann es sein, dass der Motor einen zu steilen Anstellwinkel nach oben hat, der mit dem mitgelieferten Keil nicht ausgeglichen werden kann. Bei Langkielern wie meiner POLINA empfiehlt sich daher der Einbau in der Mitte des Rumpfes. Da ich aus Sicherheitsgründen sowieso zwei Pod-Motoren empfehle, werden diese links und rechts vom Kiel angebracht. Gleichzeitig habe ich die Motoren in einem Winkel von 7 Grad zum Heckruder angeordnet, um eine gute Anströmung des Ruders zu erreichen.

​Die Pod-Drives unten am Rumpf beidseitig montiert – das steigert die Manövrierfähigkeit und erspart in meinem Fall ein Bugstrahlruder.

Der Umbau von Diesel auf Elektromotor:

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