Drei mal E-Motor tausch in sechs Jahren, ist das normal

Nein ist es natürlich nicht und würde ich es heute nochmal so machen?

Ja ich würde es nochmal machen, aber nicht so!

​Der Grund, warum ich diesen Schritt jederzeit wieder gehen würde, liegt in der Tatsache, etwas Wesentliches gelernt zu haben. Ich habe gelernt, den Hersteller mehr in das Tun einzubinden. Denn eines ist mir klar geworden: Es gibt noch einiges aufzuarbeiten – Korrosion, Erdung, Landstrom, Motorsteuerung, Funkstörungen u. v. m.

​Ich fange mit der Korrosion an: Die war der Tod meines ersten Pod-Drive nach drei Monaten. Unglaublich, aber wahr – die Montageplatte, an der der Motor aufgehängt war, war im wahrsten Sinne des Wortes zerbröselt. Ein klarer Gewährleistungsfall, keine Frage. Der Motor wurde anstandslos zurückgenommen, allerdings blieb das ungute Gefühl zurück: Da ist was faul! Misstrauen gegenüber dem Hersteller meinerseits stand Misstrauen gegenüber meiner Montage seitens des Verkäufers andererseits gegenüber. Der Verkäufer, eine wohlbekannte Händlerorganisation, erstattete mir den vollen Kaufpreis zurück, weigerte sich jedoch, den Motor gegen einen neuen Pod-Drive zu tauschen – weil, wie er meinte, mein Schiff für E-Motoren nicht geeignet sei.

​Der vollständig korrodierte Pod-Drive nach drei Monaten im Wasser.

Auffällig war: Bei beiden Motoren war die Montageplatte stark korrodiert, aber nur bei einem Motor waren auch Korrosionsspuren an der Opferanode zu sehen.

​Als Wiederholungstäter kaufte ich sodann zwei 1-kW-Pod-Drives bei einem kleineren deutschen Händler. Dieser empfahl mir extra das 1-kW-Modell – mit diesem gäbe es sehr gute Erfahrungen, und er garantierte mir, dieser Motor sei seewassertauglich und korrodiere nicht. Nachdem ich zuvor mit dem stärkere Modell drei Monate nicht ein einziges Mal die Leistung von 3 kW abgerufen hatte und der Verkäufer mir versicherte, die Leistung würde ausreichen, versuchte ich es mit dem 1-kW-Pod-Drive. Ein weiterer wichtiger Grund, diesen Motor zu nehmen, bestand in der Tatsache, dass die Motorsteuerung über Kabel und nicht über Funk angesteuert werden kann. Beim 3-kW-Pod-Drive gab es nur die Funkvariante, und wer jemals mit Bluetooth zu tun hatte, weiß: Das geht nicht immer störungsfrei ab, und es kam öfters zu unliebsamen Fehlsteuerungen – was bei Anlegemanövern eher ungünstig ist.

​Übrigens: Mit dieser Motorvariante war ich wirklich total zufrieden! Keine Störungen bei der Steuerung, keine Korrosion, keine Lagerschäden – nichts, nada, alles paletti. Der Motor sah nach fünf Jahren aus wie am ersten Tag. Einmal habe ich die Antriebsschrauben und Anoden gewechselt, was objektiv gesehen gar nicht notwendig war, aber irgendwas will man halt wechseln…

​Der 1-kW-Pod hatte schon eine eigene Opferanode am Motorgehäuse.

​Jetzt stellt sich die Frage: Warum vom Pferd absteigen, wenn es gut läuft?

​Heuer war ich auf der Düsseldorfer Messe 2026 und besuchte eine Reihe von E-Motor-Herstellern. Ich erzählte von meinem Vorhaben, anlässlich meiner Pensionierung eine Rundreise um Italien und quer durch Europa auf dem Flussweg bis in die Nordsee zu machen – rein elektrisch, versteht sich. Man sprach über den Bootstyp, die Segel und natürlich auch über den Motor. Als ich die zwei 1-kW-Motoren erwähnte, drehten sich die einen um und die anderen wünschten mir viel Glück. Zugegeben, das macht unsicher – meine nautischen Erfahrungen beschränkten sich lediglich auf die Lagunengewässer von Friaul-Julisch Venetien und den Golf von Triest. Später habe ich dann doch einen Händler gefunden, der meinte: Das Projekt ist gut, aber du brauchst zumindest 6 kW. Das deckte sich mit meinen schon erwähnten Berechnungen, und so habe ich mich entschlossen, es nochmals mit zwei 3-kW-Pod-Drives zu versuchen. Dieses Mal gab es klare Aussagen zur Seewassertauglichkeit. Also entschloss ich mich zum dritten Tausch, und hier schließt sich der Kreis: Ich bin wieder beim stärkere 3-kW-Pod-Drive angekommen. Nicht etwa, weil ich überzeugt war, die Leistung zwingend zu brauchen – ausschließlich die Neugier, ob sich in den letzten fünf Jahren etwas geändert hat, trieb mich zu diesem Schritt. Und man sollte es kaum glauben: Der Motor hat jetzt eine extra Anode am Gehäuse!

Deutlich zu erkennen: die große Anode direkt auf der Montageplatte.

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